Typisch Kanada

Thanksgiving

Ein Fest, welches mir definitiv in Erinnerung bleiben wird, besonders weil es in Deutschland kaum verbreitet ist, ist Thanksgiving. Dieses Jahr fand es am 11. Oktober statt, denn im Gegensatz zu den USA wird der Tag immer am zweiten Montag im Oktober gefeiert.

Jede Familie gestaltet das Fest natürlich etwas anders, aber so wie es bei uns verbracht wurde, hat es mir wirklich sehr gefallen.

Unsere Pläne fürs lange Wochenende

Da Thanksgiving in Kanada wie bereits erwähnt an einem Montag stattfindet und dementsprechend die meisten Menschen an diesem Feiertag frei haben, machten wir uns besonders an diesem Tag eine schöne Zeit zusammen. Auf diese Erlebnisse komme ich später aber nochmal genauer zu sprechen.

Am Samstag blieben wir fast den ganzen Tag zu Hause, mit einer Ausnahme und zwar dem Einkaufen für das Festessen am eigentlichen Feiertag. Da bei uns die Wochentage immer relativ anstrengend und aktiv gestaltet sind, haben wir uns zur Abwechslung mal einen entspannten Fernsehnachmittag gemacht.

Die ausgefallene Pizza Auslieferung

Ihr fragt euch sicherlich, was es mit dieser Überschrift auf sich hat, ich war nämlich auch erst verwirrt, als mir meine Gastmutter von folgendem erzählte. Während des gesamten Oktobers hat die Fast Food Kette Domino‘s Pizza nämlich eine Aktion, bei der man eine Bestellung aufgeben kann und diese dann persönlich von dem Feuerwehr Team in Courtenay ausgeliefert wird. Dieses kommt dann, wenn man Glück hat, mit einem großen Feuerwehrauto und testet die Funktion der Brandmelder der Leute. Wenn der Brandmelder funktioniert und piept, dann erhält man die Pizza Bestellung kostenlos, funktioniert er nicht, bekommt man einen neuen Feuermelder als Geschenk.

Vorschriftsmäßig funktionierte unserer voll und ganz und wir erhielten die zwei Pizzen gratis, gaben aber natürlich etwas Trinkgeld für die tolle Auslieferung und dafür, dass Carolyn sogar die Ehre hatte und sich in das Feuerwehrauto hineinsetzen durfte. Als dann einmal die Hupe gedrückt wurde, erschreckte sie sich selber ein bisschen 🙂

Der Sonntag

Wir entschieden uns trotz Wind, Regen und Temperaturen knapp unter zehn Grad zu einer kleinen Scheune zu fahren, in der alles bereits für Halloween dekoriert war. Gleich daneben befand sich ein mittelgroßes Kürbisfeld, auf dem man dann seinen eigenen Kürbis aussuchen konnte. Durch den Regen war es natürlich ziemlich matschig, was dann leider auch dazu führte, dass einige Kürbisse zerquetscht oder total matschig waren. Aber es ist ja das Erlebnis, dass zählt und letztendlich haben wir uns dann alle ein schönes Exemplar ausgesucht!

Den restlichen Tag verbrachten wir erneut zu Hause, wir dekorierten vor der Haustür und schauten einen Film.

Pumpkin patch

Montags, am ursprünglichen Thanksgiving ging es dann zu einer Pumpkin Patch Farm etwa 20 Minuten mit dem Auto von uns entfernt. Ich wusste erst nicht ganz, was ich mir darunter vorstellen sollte und erwartete nicht allzu viel, allerdings wurde ich vor Ort vom kompletten Gegenteil überzeugt.

Neben dem riesigen Kürbisfeld, welches übrigens im Vergleich auch über schönere Kürbisse verfügte, gab es einen Heuwagen, mit dem man eine Runde um die weiteren Felder drehen konnte. Das erfreute natürlich insbesondere die Kinder, mindestens genauso sehr wie das Heu Labyrinth auf der gegenüberliegenden Seite. Obwohl dieses eigentlich eher für die Kleinen unter uns gedacht war, konnte meine Gasteltern und mich nichts aufhalten, denn wir wollten Carolyn ja schließlich darin begleiten!

Zusätzlich zu dem Kinder Labyrinth versuchten wir dann auch noch unser Glück beim großen Maislabyrinth und dort war der Schwierigkeitsgrad herauszufinden schon etwas höher, aber wir schafften es natürlich trotzdem. Direkt daneben befand sich ein weiteres Maisfeld, in dem überall verteilt kleine Häuser standen und es wie eine Art Märchenwald aufgebaut war. 

Die Attraktion, die meinen Gastvater Guy offensichtlich am meisten interessierte, war die der Maiskolben Kanonen. Trotz einer sehr langen Warteschlange wollte er unbedingt sein Können testen und versuchen, die Maiskolben über den kleinen See inklusive Fontäne, welcher übrigens auch zur Farm gehört, auf die andere Seite des Ufers zu schießen und dort eine der Zielscheiben zu treffen. Leider trafen wir alle nicht, aber das finde ich bei zwei Versuchen und einem Abstand von knapp 50m auch gerechtfertigt. 

Nach einem kurzen Spaziergang über die wunderschön herbstlich dekorierte Farm in Richtung Hang, kamen wir dann bei den Eseln, Schweinen, Hühnern, Kühen, Ziegen und den Truthähnen an. Außerdem spielte eine Band Live Musik in einer offenen Halle nebenan, in denen man auf den Heuballen als Sitzgelegenheit Platz nehmen konnte. 

In Richtung Ausgang hatten wir noch die Möglichkeit etwas aus dem Farm Shop zu kaufen und natürlich unsere zuvor gepflückten Kürbisse zu bezahlen. Hier seht ihr übrigens unsere Ausbeute, die wir die ganze Zeit im Bollerwagen hinter uns her ziehen mussten… Na ja, dafür hatten wir eine sehr schöne Dekoration vor dem Haus, welche übrigens noch bis nach Halloween anhielt!

Unser Abendessen

Gegen halb vier nachmittags waren wir dann wieder zu Hause angekommen und fingen an das Essen vorzubereiten: Kartoffelgratin, Schinken, grüne Bohnen, Rosenkohl, Brot und ganz wichtig, das Stuffing! Auch wenn es bei uns keinen traditionellen gefüllten Truthahn gab, die Füllung musste trotzdem sein, man kann sie vom Geschmack her ganz gut mit Semmelknödeln vergleichen, aber eben in einer anderen Form.

Mit dem Essen ging dann auch langsam unser Abend und somit auch das ganze lange Wochenende zu Ende. Ich bin mir sicher, dass es viele Familien gibt, bei denen Thanksgiving etwas traditioneller und noch familiärer abläuft, doch die Verwandten meiner Gastfamilie wohnen alle über das ganze Land verteilt und ein Zusammentreffen wäre somit sehr schwer zu organisieren. Mir hat es aber auch so sehr gefallen, alleine aus dem Grund ein neues Fest kennenzulernen und so eine tolle Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen, die sich übrigens mittlerweile wirklich wie richtige Familie anfühlt! Im Sinne von Thanksgiving ist das bestimmt auch die richtige Stelle, um einfach mal zu sagen, dass ich sehr dankbar für sie und mein Zuhause hier bin!

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