Typisch Kanada

Terry Fox Day

Jedes Jahr wird der sogenannte „Terry Fox Day“ gefeiert und dies durfte ich im Oktober 2021 auch hier an meiner Schule, der Georges P. Vanier miterleben. Wer genau Terry Fox ist, wieso man in Kanada immer noch an ihn erinnert und was in meiner Schule an diesem Tag passierte, das werdet ihr im folgenden Artikel erfahren!

Wer ist Terry Fox?

Der Sportler Terrance Stanley Fox wurde am 28.07.1958 in Winnipeg, Kanada geboren. Im Alter von zehn Jahren zog er mit seiner Familie nach Port Coquitlam in British Columbia. Neun Jahre später (1977) wurde bei ihm Krebs diagnostiziert und seine Überlebenschancen lagen bei 50%. Glücklicherweise konnte der Knochenkrebs aus seinem rechten Knie durch eine Bein-Amputation entfernt werden und es musste durch eine Prothese ersetzt werden. Er fing an sich an die neuen Umstände zu gewöhnen und etwa zwei Jahre darauf war er in der Lage einen kompletten Marathon, also ganze 42km, zu laufen. Alleine das war damals schon sehr ungewöhnlich und beeindruckend, denn die Prothesen waren noch nicht so gut entwickelt wie heute und nicht besonders komfortabel. Sie konnten also bei zu langer Tragezeit zu Scheuern oder sogar Bluten führen.

Sein „Marathon of hope“

1980 traf er die Entscheidung eine Million kanadische Dollar für die Krebsforschung und krebskranke Menschen zu sammeln. Die Geldsumme wollte er durch das Laufen von der Ostküste Kanadas bis hin zur Westküste erzielen. Als Zeichen der Vereinigung von Kanada war sein Ziel außerdem, das Wasser aus dem Atlantik des Ostens, welches er in einer Flasche mit sich trug, in den Pazifik im Westen zu gießen, sobald er dort angekommen war.

Er startete in St. John‘s Newfoundland und rannte 42km täglich, also einen ganzen Marathon und das 143 Tage nacheinander. Das allein ist schon unglaublich beeindruckend, aber man muss natürlich bedenken, dass er ebenfalls bei jedem Wetter lief: Regen, Hagel, Schnee, Wind, Hitze, nichts konnte ihn aufhalten. Zumindest fast nichts…

Denn am 01.09.1980, nach 5.373 gelaufenen Kilometern und ganzen sechs durchquerten Provinzen von Kanada, bemerkte er Schmerzen in seiner Brust und seinem Nacken. Zudem musste er stark husten und würgen, doch trotzdem lief er weitere drei Meilen (= 4,8km) bis es nicht mehr ging und er einen Arzt aufsuchte. Dieser stellte dann fest, dass sich der Krebs in seinem rechten Knie vor drei Jahren ausgebreitet hatte und nun auch seine Lunge angriff. Somit war er gezwungen das weltverändernde Projekt in Thunder Bay, Ontario abzubrechen. Nicht mal ein Jahr später starb er dann mit 22 Jahren am 28.06.1981 und ganz Kanada war in Trauer versetzt.

Die Zeremonie an unserer Schule

Doch bis heute wird Terry Fox immer noch geehrt, gefeiert und vor allem bewundert. Mit seiner Hilfe sind insgesamt 850 Millionen kanadische Dollar für die Krebsforschung gespendet worden und in unzähligen kanadischen Schulen wird jährlich der Terry Fox Day gefeiert. So auch an der G. P. Vanier Mitte Oktober.

An diesem Tag wurden alle Unterrichtsstunden in Kurzstunden umgewandelt, sodass erst eine Zeremonie in der Sporthalle stattfinden konnte und danach der Terry Fox Run vollzogen wurde. Bei der Zeremonie wurde unter anderem eine kurze Dokumentation über den Sportler gezeigt und einige Schüler*innen und Lehrkräfte veranstalteten ein Programm mit kurzen Vorträgen.

Daraufhin wurde ein Video gezeigt, bei dem viele Schüler*innen unserer Schule die Wichtigkeit von Terry Fox und seinem Ziel kommentierten. Auch wurde die Nationalhymne „Oh Canada“, gesungen und ich muss zugeben, es war wirklich sehr emotional und ich hatte fast die ganze Zeit über Gänsehaut.

Etwa zwei Wochen vor dem Terry Fox Day konnte jedes Mitglied der Schule Geld in einen der fünf Töpfe von fünf ausgewählten Lehrern geben, welches dann am Ende gespendet werden sollte. Der Lehrer mit dem meisten Geld, also quasi den meisten Stimmen, hatte dann dementsprechend die Aufgabe „I want it that way“ von den Backstreet Boys als letzten Programmpunkt der Zeremonie zu singen. Die Wahl fiel dann auf einen Chemielehrer, welcher aber natürlich von der gesamten Schule beim Refrain unterstützt wurde.

Der eigentliche Terry Fox Run

Nach der Zeremonie in der Sporthalle ging es dann mit der kompletten Schule nach draußen. Glücklicherweise hatten wir auch super Wetter, denn wir machten einen etwa 20 Minuten langen Spaziergang durch einen nahegelegenen Wald als Zeichen für den Terry Fox Run.

In der Schule selbst wurde übrigens einige Tage vorher ein riesengroßes Plakat in der Cafeteria aufgehangen. Zudem wurden Zettel verteilt auf denen jeder eine Person aufschreiben konnte, welche von Krebs betroffen ist und für welche man dann beim Terry Fox Run laufen möchte. Die Zettel konnte man dann eigenhändig auf das Plakat kleben und mir hat diese Idee wirklich besonders gut gefallen!

Auch wenn ich das Ende der Geschichte von dem Sportler selbst nicht als richtiges „Happy End“ bezeichnen würde, bin ich mir sicher, dass er umso stolzer wäre, wenn er wüsste, wie viel Auswirkungen und Einflüsse er und sein Ziel immer noch auf das heutige Leben hier in Kanada haben.

Ich denke auch, dass leider jeder von uns jemanden kennt, der auch mal von Krebs betroffen war oder immer noch ist und ich hierfür auch gar nicht die richtigen Worte finden kann. Das einzige, was ich aber sagen möchte ist, dass wir versuchen sollten, dankbar und glücklich mit unserem jetzigen Zustand zu sein, besonders wenn wir selbst noch bei guter Gesundheit sind. Und auch wenn es so aussieht, als wäre keine Hoffnung mehr vorhanden, der Kampf ist es wert:

„Dreams are made possible if you try.“ – Terry Fox

Quellen

Falls ihr noch Lust habt, euch etwas näher mit dem Thema auseinanderzusetzen:

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