Genau einen Monat ist das Jahr 2022 nun alt, doch wie ich es mit meiner Gastfamilie begrüßt habe, das wird sich in diesem Artikel zeigen. Außerdem werde ich euch berichten, wie Weihnachten hier ablief und ob sich die Klischees aus den nordamerikanischen Filmen über das Fest wirklich als wahr herausstellten.
Typische Traditionen
Bestimmt hat jeder von euch das typische Bild von Weihnachten in den Filmen und Serien vor Augen: Die Kinder stürmen am Weihnachtsmorgen ins Wohnzimmer und schauen als erstes nach Geschenken von Santa Claus in ihren sogenannten „Stockings“ (= Strümpfe), welche über dem Kamin hängen. Daraufhin geht es an die großen Geschenke unter dem kitschig geschmückten Tannenbaum, alle sind natürlich noch im Schlafanzug und es dauert keine fünf Minuten, bis alle Geschenke ausgepackt sind.
Eins kann ich euch sagen, so lief es bei mir nicht ab! Für einige mag es eine Enttäuschung sein, ich war aber um ehrlich zu sein froh, dass das Klischee zumindest auf meine Familie nicht zutraf. Jeder hatte zwar seinen eigenen Stocking, für mich hatte mein Gastvater Guy sogar extra noch einen mit meinem Anfangsbuchstaben drauf gekauft, doch wir hingen sie einfach an ein Regal im Wohnzimmer. Die Inhalte des Stockings wurden tatsächlich am Morgen des 25. Dezembers geöffnet, im Schlafanzug, ganz in Ruhe und immer nur ein Geschenk pro Person, dann war der oder die Nächste an der Reihe. Bevor das allerdings passierte, mussten wir erst einmal etwas Schnee schippen, denn es hatte über Nacht knapp 20cm geschneit. Gegen Ende hin schlug die Arbeit jedoch eher in Quatsch machen um und kurz darauf ging es zum Frühstück wieder ins Haus.
Diese Geschenke waren die einzigen, bei denen wir meiner kleinen Schwester Carolyn erzählten, dass sie von Santa Claus stammen würden. Bei den restlichen Überraschungen wusste sie, dass sie von den Familienmitgliedern kommen.

Frühstück 
Stockings 
Stoking Inhalt
Wie ihr unschwer erkennen könnt, erhielt ich neben Lebensmitteln einige alberne Gegenstände, wie etwa die Socken, die Kanada Souvenirs oder die von meiner Gastmutter selbst gehäkelte Puppe einer sehr bekannten Netflix Serie.
Bescherung
Falls ihr gerade selbst einen Auslandaufenthalt macht und euch fragt, ob es generell normal ist der Gastfamilie etwas zu schenken, sei es zu Geburtstagen oder zu Weihnachten, dann kann ich zwar nur für mich sprechen, aber ich denke, es wäre definitiv angemessen zumindest eine Kleinigkeit zu schenken. Ich persönlich war mit meiner Familie von Anfang an sehr vertraut und konnte denke ich relativ gut einschätzen, wer sich über was freuen würde. Übertrieben hätte ich es zwar gefunden, wenn wir gegenseitig zu viel füreinander gekauft hätten und Weihnachten somit seine Bedeutung als Familienfest etwas verloren hätte, doch die Menge an Geschenken war ähnlich wie die, die ich mit meiner deutschen Familie gewohnt war.

Für meinen Gasteltern hatte ich ein Puzzle mit drei Bildern von uns bestellt, sowie drei kleine Schälchen und Schokolade gekauft. Die Schokolade schmolz ich und verzierte sie mit weiteren Leckereien. Meine Gastschwester Carolyn bekam ein Malbuch, Überraschungseier und eine Kinder Badekugel, meiner älteren Gastschwester Peyton schenkte ich eine Box voll mit nützlichen Kosmetikartikeln und Snacks in ihrer Lieblingsfarbe blau.
Unten seht ihr übrigens noch zwei Familienbilder!
Meine Geschenke
Obwohl ich nie nach Wünschen gefragt wurde oder welche äußerte, wurden auch mir viele kleine Freuden gemacht. Was es mit dem grünen Baby Yoda Grogu auf sich hat, erkläre ich euch nach den Fotos.

Paket aus Deutschland 
Meine Geschenke
Da meine Familie einen Nacktkater besitzt, einige werden jetzt vielleicht abgeschreckt sein, doch man gewöhnt sich an ihn und er ist sehr lieb, hatte ich die grandiose Idee ihn an Halloween zu verkleiden. Aus Spaß schlug ich vor, wir könnten ihn doch mit grüner Fingerfarbe in einen Baby Yoda verwandeln und von dort an galt die Behauptung, dass ich den Filmcharakter total gerne mögen würde, weshalb ich auch einige Fan-Artikel bekam.
Meine Mutter sendete außerdem ein Paket aus Deutschland mit Geschenken für die ganze Familie, deshalb werdet ihr im zweiten Bild auch ein paar deutsche Artikel erkennen, welche ich dementsprechend nicht von meiner Gastfamilie bekommen habe. Wir riefen sie dann gegen Ende der Bescherung, welche durch das Auspacken nach Reihenfolge über zwei Stunden dauerte, per FaceTime an, sodass jeder unsere Reaktion auf die Geschenke mitverfolgen konnte. Ursprünglich wollten wir auch ein Paket schicken, dieses hätte aber etwa 160 kanadische Dollar (= 122€) Versandkosten gekostet, weshalb wir es dann nur bei Karten beließen. Die Geschenke werden meine Familie aber trotzdem noch erhalten, allerdings erst wieder bei dem ersten Zusammentreffen nach meinem Aufenthalt.
Weihnachtsessen
Eines meiner Highlights am 25. Dezember war definitiv auch das Essen, welches sich als eine weitere tolle Überraschung meiner Gastfamilie herausstellte. Dadurch, dass ich mit meiner deutschen Familie Weihnachten immer sehr traditionell feiere und es somit auch jedes Jahr gleich abläuft, vermuteten meine Gasteltern bereits, dass ich es vermissen würde. Um mir das beste Gefühl von Zuhause vermitteln zu können, kümmerten sie sich darum, dass es als Abendessen Kartoffelklöße, Semmelknödel, grüne Bohnen, Ente und Salat gab. Vorab hatten sie meine Eltern kontaktiert und nach Rezepten gefragt und als ich dann die gewürfelten Brotscheiben in der Küche liegen sah, wurde mir ihr Plan klar. Zum Nachtisch gab es Apfelkuchen sowie ein Apfel-Zimt Pie aus einem deutschen Kochbuch, welches ich als Gastgeschenk mitbrachte. Eventuell fragt ihr euch, wieso es zwei Kuchen gab, der simple Grund dafür war einfach, dass wir am Vorabend zu viele Äpfel geschält hatten und uns auch noch während eines Stromausfalls in der Siedlung eine Notlösung überlegen mussten.
Den restlichen Abend testeten wir Geschenke aus, hörten Weihnachtsmusik und später übernachtete Carolyn bei mir im Zimmer. Trotz dem kurzen Gefühl meine deutsche Familie zu vermissen, machte meine Gastfamilie den Tag perfekt und wirklich unvergesslich!
Silvester
Zuletzt berichte ich noch vom New Year‘s Eve, der bei uns sehr entspannt verbracht wurde. Vormittags kauften wir für Linsensuppe ein, welche ich jedes Jahr am ersten Tag im Januar bei meiner Oma esse und somit auch meiner Gastfamilie zeigen wollte. Nachmittags kam eine Freundin bei uns vorbei und wir verbrachten unsere Zeit hauptsächlich mit Puzzeln. Kurz vor drei Uhr nachmittags rief ich dann meine Eltern an, um mit ihnen in das neue Jahr reinzufeiern. Carolyn war währenddessen bei unseren Nachbarn und spielte mit deren Enkelkind. Wir holten sie gegen halb neun ab und sahen unseren Nachbarn mit seinem Schnee Quad und den Mädchen auf Poporutschern hinten dran hängen, wie sie durch die Nachbarschaft fuhren. Sie wollten natürlich gar nicht mehr aufhören, doch irgendwann ging es dann zurück zu uns.
Die restlichen drei Stunden von 2021 wurden weiter gepuzzelt und wir schauten einen Live Countdown. Kurz vor Mitternacht riefen meine Eltern mich an und wir feierten ebenfalls gemeinsam in 2022 hinein, diesmal nach kanadischer Zeit. Dass Carolyn mit ihren fünf Jahren bis dahin wach blieb, hat uns denke ich alle überrascht, doch um kurz nach zwölf machten wir uns dann alle schonmal bettfertig und starteten somit die erste Nacht im neuen Jahr!














