Typisch Kanada

Landschaft & Wintersport in Kanada

Sehr häufig wurde ich von euch gefragt, wie es denn hier auf Vancouver Island bezüglich Skifahren aussieht, da das Land nun mal bekannt für die kalten Wintersport ist. Vor meiner Abreise wurde mir auch oft geraten, dicke Kleidung einzupacken, da die meisten bei der Vorstellung an Kanada große Schneemengen und sehr niedrige Temperaturen im Kopf haben. Ob sich diese Vorstellungen als wahr herausstellten, wie es mit der Landschaft hier aussieht und welche Aktivitäten im Winter angeboten werden, darum wird sich dieser Artikel drehen. Quellen der Informationen findet ihr übrigens unter jedem Abschnitt.

Doch a pro pos Winter, falls es euch interessiert, wie ich Weihnachten und Silvester ohne meine deutsche Familie verbrachte habe, dann schaut doch gerne beim letzten Blog Beitrag vorbei!

Gebirge & typisch kanadische Landschaft

Da Kanada mit einer Fläche von ca. 9,98 Millionen Quadratkilometern hinter Russland das zweitgrößte Land der Erde ist und auch nur etwa 1,5% davon bewohnt ist, könnt ihr euch sicherlich vorstellen, wie viel Natur es hier zu entdecken gibt. Bevor ich nach Vancouver Island kam, hatte ich immer das Bild von riesigen Wäldern, Bergen und Seen im Kopf, welche sich zugleich alle nah am Meer befinden. Natürlich traf dieses Bild auf die Insel sehr gut zu, doch grundsätzlich reicht diese Vorstellung gar nicht aus, um die Natur des ganzen Landes zu erfassen.

Bezüglich der Berge sind die Rocky Mountains besonders bekannt, welche sich durch British Columbia, Alberta und den Yukon (Territorium im Nordwesten Kanadas, grenzend an Alaska) ziehen. Für ihre Entstehung ist die Verschiebung der nordamerikanischen Kontinentalplatte gegen die pazifische Platte verantwortlich. Auch an der Ostküste ist Gebirge vorzufinden, dieses ist die Verlängerung der Appalachen, ein Gebirgssystem, welches sich von der kanadischen Provinz Neufundland bis in das nordöstliche Alabama in Amerika über 2400km erstreckt. Im Norden Kanadas sind hauptsächlich Kältesteppen und Nadelwälder vorzufinden, wofür das Klima der Region verantwortlich ist. Deshalb leben übrigens auch nur etwa 100.000 der 36 Millionen Einwohner Kanadas in den nördlichen Territorien.

Wälder & Seen

Etwa 40% des ganzen Landes besteht aus Wäldern, überwiegend borealer Nadelwald (= Fichten, Kiefern, Lärchen, Tannen und Birken in der kaltgemäßigten Klimazone). Besonders beeindruckend ist der Fakt, dass die Waldgebiete nur wenige Kilometer von den vereinzelten Großstädten Kanadas, wie beispielsweise Vancouver oder Toronto, vorzufinden sind.

Ebenfalls verblüffend ist die Anzahl der Seen, welche Kanada beherbergt. Da sich allerdings gestritten wird, ab welcher Größe man das Gewässer als einen See bezeichnen kann, liegt die Zahl zwischen 900.000 – zwei Millionen. Das sind tatsächlich mehr als es in allen anderen Ländern der Erde zusammen gibt. Darunter beträgt die Fläche von 563 Seen über 100km², die bekanntesten sind unter anderem Lake Superior (Ontario), Lake Louise (Alberta), Moraine Lake (British Columbia) und Lake Huron (Ontario).

Klima, insbesondere der Winter

Was hat es denn nun mit dem Klischee der Kälte auf sich, trifft dieses wirklich auf ganz Kanada zu? Wie erwähnt, ist der nördliche Teil des Landes kaum bewohnt, was an den Wintertemperaturen von bis zu -50°C und den kurzen trockenen Sommern liegt. Auch im Osten liegen die Temperaturen im Januar durchschnittlich bei -18°C und im Süden bzw. Zentral Kanada kann es je nach Ort zwischen -5°C und -15°C schwanken.

Doch eine Ausnahme gibt es trotzdem: die westliche Provinz British Columbia, in der ich mich aufhielt, bleibt für gewöhnlich von einem harten Winter verschont. Minusgrade sind hier eher Ausnahmefälle und somit ist auch Schnee recht ungewöhnlich, abgesehen von den Bergen natürlich. Somit ist die Antwort auf die anfangs gestellte Frage nein, denn obwohl sich der Großteil des Landes auf einen verschneiten Winter einstellen muss, sorgt die ozeanische Strömung für ein milderes, regnerisches Klima.

Wie habe ich den Winter miterlebt?

Zwei Wörter beschreiben die Jahreszeit 2021 / 2022 vermutlich sehr treffend: Schnee & Regen. Widersprüchlich ist es ja schon, dass genau in dem Jahr, in dem ich mein Auslandshalbjahr in British Columbia verbringe, etwa 25cm Schnee lagen und wir sogar weiße Weihnachten hatten. Selbst meine Gasteltern waren verwundert, denn sie leben seit etwa drei Jahren auf Vancouver Island und haben seitdem noch nie so viel Schneefall auf der Insel miterlebt. Eine unserer Nachbarinnen besaß nicht einmal eine Schneeschippe, denn normalerweise schmilzt der Schnee hier bevor es sich überhaupt lohnt ihn weg zu schippen. Außerdem bekam ich einen Tag „Schneefrei“, denn für einige Schüler*innen meiner Schule, welche täglich mit dem Bus oder sogar der Fähre zur Schule gelangen, war die Anreise erschwert, weshalb der Unterricht für alle entfiel.

Skifahren und Tubing

Um den Artikel noch etwas lockerer zu beenden und nicht nur über das Klima und die Vegetation in Kanada zu berichten, wird es jetzt noch etwas um das Skigebiet gehen, welches etwa eine halbe Stunde mit dem Auto von Courtenay entfernt ist. Die Rede ist von dem Berg Mount Washington, welcher 1588m hoch ist und über 60km Piste zum Skifahren und Snowboarden verfügt. Es gibt zehn Skilifte, sowie zwei Pisten für das so genannte Tubing, bei dem man mit einem Reifen, den man sonst nur von Wasserrutschen kennt, den Hang hinunter fährt. Letzteres haben wir auch an einem sonnigen Wochenende mit einer befreundeten Familie unternommen, Ski gefahren bin ich allerdings nicht. Der Grund dafür war einfach, dass ich keine Ausrüstung dabei hatte und das letzte mal vor etwa zehn Jahren in Österreich gefahren bin. Somit habe ich das einzig größere Skigebiet auf Vancouver Island nur während der einstündigen Tubing Session und später dann bei einem kleinen Snack in der Berghütte genießen können. Zum Abschluss seht ihr hier noch ein paar Eindrücke!

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