Typisch Kanada

Typisch kanadische Schule

Damit ihr alle einen groben Überblick habt, wie der ganze Alltag in einer kanadischen Schule abläuft und nicht zu viele Fragen beim Lesen meiner nächsten Artikel über die Schule aufkommen, ist hier ein Beitrag über das kanadische Schulsystem und alles, was mir bisher so aufgefallen ist. Und ja, es gibt hier wirklich die bekannten gelben Schulbusse, nur leider kommt keiner in der Nähe von unserem Haus vorbei und deshalb nehme ich einen gewöhnlichen Linienbus.
Falls ihr aber auch noch mehr Informationen über meine Schule erfahren möchtet, schaut doch gerne beim letzten Blog Artikel vorbei.

Fächerwahl

Wie ihr bereits sehen konntet, gibt es hier in Kanada eine unzählige Auswahl an Schulfächern, viele davon sind praktisch bedingt. Somit kann jeder Teenager ab der 9. Klasse nach den eigenen Interessen wählen. Allerdings brauch man, je nachdem was man in der Zukunft machen möchte, sogenannte Credits, also quasi eine Bestätigung, dass man ein bestimmtes Fach wie zum Beispiel Englisch belegt und bestanden hat. Da ich natürlich nicht vorhabe hier etwa zu studieren, konnte ich komplett nach meinen Interessen wählen, denn die Credits von Kanada zählen letztendlich nicht in Deutschland.

Stundenplan

Auch der Stundenplan an sich sieht hier ganz anders aus, denn in den meisten Gegenden hier gibt es ein Semester Schulsystem. Das heißt, die Teenager wählen vorab Fächer und erhalten dann im besten Fall vier der Fächer, die sie gewählt haben und werden dann ein ganzes Semester jeden Tag darin unterrichtet.
Nachdem das erste Halbjahr dann um ist, gibt es einen neuen Stundenplan mit vier anderen Fächern. Teilweise gibt es auch Quartalskurse, dort wird dann ein Fach ca. 10 Wochen unterrichtet und im zweiten Quartal belegt man dann ein anderes Fach. Diese Konstellation habe ich übrigens auch in meinem Stundenplan.

Jedem Schulfach wird ein Block zugeordnet und die Blockreihenfolge variiert je nach Wochentag, so wie ihr es hier an meinem Stundenplan sehen könnt. Damit sich eine bestimmte Tagesreihenfolge nicht jede Woche doppelt im Stundenplan befindet, rotiert die Abfolge der Fächer freitags immer.

MontagDienstagMittwochDonnerstag
ACBD
BDAC
CADB
DBCA

Zudem gibt es so genannte „Flex Days“, die dazu gedacht sind verpasste Arbeit aufzuholen, Tests nachzuschreiben oder Projekte zu beenden. Jeder, der an diesem Tag allerdings nichts zu tun hat, kann zu Hause bleiben und den freien Tag genießen.

Kurse

Ähnlich wie in Deutschland weicht die Größe der Kurse je nach Fach etwas ab. So können an einer Culinary Arts (=Kochen / Backen) Klasse maximal 23 Schüler*innen teilnehmen, da der Platz in der Küche begrenzt ist, in einem Mathe- / Englischkurs /… hingegen bis zu 30.
Ein Unterschied im Vergleich zu Deutschland in der Kurszusammenstellung ist mir aber direkt am Anfang aufgefallen. In Kanada kann es oft dazu kommen, dass Kurse stufenübergreifend unterrichtet werden, also müssen beispielsweise in einem Theaterkurs nicht zwingend nur Mitglieder der zehnten Klasse teilnehmen, es können durchaus auch Leute aus höheren Stufen oder der neunten Klasse ein Teil des Kurses sein.

Räume

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass die Klassenräume durch die außergewöhnlichen Fächer auch sehr exotisch aussehen und ja, das tun sie. Besonders die Räume in dem handwerklich bedingten Teil erinnern eher an Firmen und nicht wirklich an eine High School.

Doch hier liegt noch ein weiterer Unterschied im Gegensatz zu Deutschland vor, denn die Lehrkräfte haben alle ihren eigenen Klassenraum und wir müssen dann dementsprechend die Räume zu unseren Fächern wechseln.

Nutzung von Medien

Auch was Medien wie etwa Smartboards oder die Nutzung von Tablets / Computer /… betrifft, differenziert sich Kanada etwas von Deutschland. An meiner Schule besitzt jeder Klassenraum ein Smartboard und alle medienbedingten Fächer wie Fotografie / Digital Animationes oder auch handwerkliche Fächer (Holz- / Metallarbeiten) sind mit Computern für jedes Kursmitglied ausgestattet. In manchen Fächern hat man sogar den Luxus von zwei Bildschirmen. Außerdem gibt es einige Schul-Laptops zum ausleihen und die Nutzung von Tablets im Unterricht ist gestattet.
Zudem stört es nur wenige Lehrer, wenn das Handy während der Schulzeit auf dem Tisch liegt oder Schüler*innen sich damit beschäftigen. Ich könnte mir aus diesem Grund aber vorstellen, dass der Lerneffekt etwas sinkt, allerdings sind viele Lehrkräfte hier der Meinung, dass es letztendlich unsere Schuld ist, wenn wir auf Grund von Ablenkung zum Beispiel eine Abgabe von Aufgaben verpassen.

Leistungsbewertung

A pro pos Abgabe von Aufgaben, in Kanada ist es prinzipiell so, dass es wenig Aufforderung zu mündlicher Mitarbeit gibt. Stattdessen tragen Tests, Quiz, Abgaben von Hausaufgaben oder Projektarbeiten und letztendlich der Final Exam (nur in den akademischen Fächern) zur Note bei.

Hier seht ihr als Beispiel meinen Mathekurs und wie ich dort bewertet werde:

KategorieAnteil an der Note
Hausaufgaben, Arbeitsaufträge (Unterricht)30%
Test & Quiz70%

Mentalität

Besonders bemerkenswert und fortgeschritten finde ich es, wie sich hier für die Gleichheit unter allen Individuen an der Schule eingesetzt wird. Überall auf den Gängen sieht man Regenbogenflaggen für die Unterstützung von der LGBTQ+ Community, es gibt genderneutrale Toiletten und in einigen Fächern wird nach den Pronomen gefragt, mit denen man angesprochen werden möchte. So kommt es auch weniger dazu, dass jemand einer Kategorie zugeordnet wird, in der er / sie gar nicht sein möchte.

Auch die Unterstützung von Black Lives Matter oder anderen Gruppen, die sich für Rechte aller Menschen einsetzen, ist hier großgeschrieben. So wurde beispielsweise jedes Mitglied der Schule einen Tag vor dem Indigenous National Day aufgefordert, als Zeichen für diesen Feiertag ein orangenes Oberteil zu tragen.

Erster Eindruck

Abgesehen von der, meiner Ansicht nach, etwas fragwürdigen Handy Regelung habe ich bis jetzt einen sehr guten Eindruck vom Schulsystem, den Lehrkräften, Räumlichkeiten und der schulischen Ausstattung. Da ich aber gerade mal sechs Wochen hier bin, wird sicherlich noch einiges an Eindrücken dazu kommen, also bleibt gespannt!

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