Die letzten Wochen

Abschied und Rückkehr nach Deutschland

Heute vor genau zwei Monaten, am 11.02.22, kam ich nach knapp sechs Monaten wieder in Deutschland an. Meine Eltern haben mich, wie bereits im letzten Blog Artikel beschrieben, bei meiner Gastfamilie in Kanada abgeholt und nach noch knapp zwei Wochen Urlaub zu dritt ging es für uns wieder in mein Heimatland. 

Da sich einige dafür interessierten, wie ich mich wieder einlebte und ich auch gerne noch ein Fazit zu dem Auslandsaufenthalt verfassen wollte, entschied ich mich bewusst für einen abschließenden Artikel nach einer längeren Pause hier auf der Seite. 

Abschied in der Schule

Oft wurde ich gefragt, ob mir der Abschied von meiner Gastfamilie sehr schwer fiel, doch bevor ich auf diese Frage eingehe, möchte ich von dem letzten Schultag erzählen, denn meine Freunde waren die ersten, denen ich good bye sagen musste. Im Unterricht passierte sowieso nicht mehr viel, die Projekte in Fotografie und Digital Animations hatte ich beendet und in meiner Kochklasse bereiteten wir noch ein Buffet zu. Nur in Mathe wurde noch ein letzter Test geschrieben, ansonsten hatte ich aber noch alle Hände voll zu tun, denn meiner Gastfamilie wollte ich zum Abschied ein Fotobuch schenken. Dieses brachte ich bereits in der letzten Woche immer mit zur Schule, um daran weiterzuarbeiten, wenn ich gerade nichts zu tun hatte, damit meine Familie nicht vorher davon erfährt. 

Meine Mutter hatte noch Armbänder besorgt, die ich an meine Freunde als kleines Andenken verteilte und das Programm, welches sich um die internationalen Schüler*innen kümmerte, schenkte jedem, für den es zurück nach Hause ging, eine kanadische Flagge. Auf dieser konnte dann jeder der wollte unterschreiben und meine hängt mittlerweile zur Erinnerung über meinem Bett.

Die letzten Tage zusammen

Das Halbjahr endete an einem Donnerstag, denn der Freitag war an meiner Schule ein non-instructional day, also ein Tag, an dem jeglicher Unterricht ausfällt. Dies nutzten meine Eltern, meine Gastfamilie und ich, indem wir uns direkt am späten Nachmittag auf den Weg zu einem kleinen Ferienhaus in der Nähe von Nanaimo machten, welches wir bis Sonntag Mittag gemietet hatten. Das Haus lag direkt am Meer und trotz durchwachsenem Wetter machten wir uns eine tolle Zeit. Wir kochten zusammen, schauten den Sonnenaufgang (am ersten Tag habe ich ihn allerdings verschlafen), gingen zu ein paar Stränden, besichtigten einen Wald mit 800 Jahre alten Bäumen, machten zusammen Sport, saßen zusammen vor dem Kamin, besuchten einen Markt und spielten Dank meiner kleinen Gastschwester sogar ein paar Runden verstecken. 

Am Samstag Abend, nachdem meine Eltern und meine Gastschwester schon schliefen, gingen meine Gasteltern und ich noch einmal zum Strand und zündeten Wunderkerzen an, um den letzten Abend vor meiner Abfahrt zu genießen. Sonntags ging es für uns alle dann nochmal zurück nach Courtenay und ich musste alles zusammen packen. Durch die vielen Besuche bei Secondhand Läden und die Geschenke für meine Familie waren wir dann tatsächlich auf ein weiteres Gepäckstück angewiesen, da sonst nicht alles in unsere Koffer gepasst hätte. 

Gefühlschaos

Abgesehen von Kofferpacken verbrachte ich den letzten Tag natürlich mit meiner Gastfamilie, viel Zeit blieb uns leider nicht mehr. Ich gab ihnen das Fotoalbum und obwohl sich alle total darüber freuten, konnte ich mich nicht richtig mit ihnen freuen, da ich dauernd den Hintergedanken hatte, mich bald verabschieden zu müssen. Die Bilder sorgten zwar für viele schöne Erinnerungen, lösten in mir aber gleichzeitig Traurigkeit aus. Allein der Abschied in der Schule fiel mir schwer, da es, besonders bei meinen internationalen Freund*innen, nicht garantiert ist, ob und wann wir uns wiedersehen. Bei meiner Gastfamilie bin ich mir sicher, dass es nicht der endgültige Abschied war und wir uns irgendwann nochmal treffen werden. Durch soziale Medien ist es heutzutage natürlich auch einfacher in Kontakt zu bleiben, doch nach einer so langen Zeit und täglichem Kontakt fiel es allen unglaublich schwer als dann der Moment des Abschieds gekommen war. Auch jetzt im Nachhinein, wenn ich die ganze Zeit nochmal reflektiere, bin ich einerseits froh alles erlebt zu haben und jetzt auch wieder bei meinen Liebsten in Deutschland zu sein, aber vermisse meine kanadische Umgebung extrem. 

Unser Trip kurz zusammengefasst

Nach dem schweren Abschied ging es für meine Eltern und mich am Sonntag Abend nach Nanaimo und am nächsten Tag von dort aus in die Provinz Hauptstadt Victoria. Ich war ja bereits an einem Tagesausflug dort gewesen, schaut bei dem Artikel übrigens auch gerne vorbei! 

Vor Ort blieben wir drei ganze Tage bis es dann mit der Fähre nach Vancouver ging. Die letzte Woche erkundeten wir die Umgebung sehr genau: wir gingen shoppen, machten einen Tagesausflug in das Skigebiet Whistler, flogen mit einem Wasserflugzeug besuchten die Hängebrücke Capilano Suspension Bridge und zum krönenden Abschluss schauten wir uns ein Ice Hockey Spiel in der Rogers Arena an.

Rückblick auf die Zeit

Die Rückreise verlief für mich deutlich entspannter als der Hinflug, kein verpasster Flug und sogar eine frühere Landung als geplant, sodass meine Cousine, ihr Freund und meine Oma noch nicht einmal am Flughafen waren, um uns abzuholen. Kurze Zeit später kamen sie aber und brachten uns dort hin, wo meine Reise vor knapp sechs Monaten begann. Zuhause warteten ein paar Willkommensgeschenke auf mich und am Wochenende begrüßte ich noch den Rest meiner Familie. 

Abschließend möchte ich mich hier einmal bedanken, denn ich hätte nie gedacht, dass doch einige regelmäßig meinen Blog lesen würden und ich so viel Feedback erhalte! Mich hat die Zeit in Kanada unglaublich bereichert und ich bin sehr froh diesen Schritt gewagt zu haben. Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt, Abendeuter erlebt und viele unterschiedliche Menschen kennengelernt, die für mich schon zur Familie zählen. In schwierigen Situationen bin ich über mich hinausgewachsen und auch die Eingewöhnung in Deutschland habe ich überstanden. Die letzten zwei Monate waren vermutlich das stressigste an der ganzen Erfahrung, doch das war mir vorab klar und auch diese Zeit habe ich gut gemeistert. Jedem, der überlegt ins Ausland zu gehen, würde ich es zu 100% empfehlen, egal in welcher Art und mit welcher Intention ist es ein Erlebnis, was mit Sicherheit zu einer Persönlichkeitsentwicklung führt. Ich bin sehr dankbar, diese Chance gehabt zu haben und hoffe, euch haben die Einblicke in mein Abenteuer gefallen.

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